Gefühl und Kulisse

Leuchtende Girlanden setzen Straßen in gleichmäßigem Abstand geschwungene Kronen aus winzigen Lichtern auf. Was magisch anmutet, wirkt berauschend und ist doch so simpel. Festtagsdeko in großem Stil, die Stadt herausgeputzt und in glitzerndes Gewand gehüllt. Baumstämme sind von Lichterketten umschlungen, aus Wohnhausfenstern starren allerlei typische Weihnachtsformen auf die Straße, Sterne, Herzen, Engel, und an historischen Gebäuden wird der Dekowahnsinn mit virtuosem Eifer an seine Grenzen getrieben.

Warmes, weiches Weiß. Mal gelb, mal orange. Hauptsache schön leuchtend oder blinkend. Und das am besten die gesamte Fußgängerzone entlang. Ein paar Tannenbäume mit Christbaumkugeln in Geschäftseingängen, Weihnachtsmusik in Dauerschleife begleitet von Plakaten in Schaufenstern, die dieses eine ganz spezielle Angebot anpreisen. Egal, was sie da in die Auslage legen oder kleben oder hängen – verzweifelte Geschenksuchende achten darauf nicht. Sie gehen von einem Geschäft in das andere, dann in das nächste. Wie Mäuse, die in ein Loch schlüpfen, enttäuscht wieder herausrennen, in das nächste Loch tapsen, bis sie endlich irgendwann ihr Stückchen Käse finden. Oder in eine verhängnisvolle Falle laufen.

Das Fest der Liebe ist ein Event der Suchenden. Die Erwartungen liegen immer zu hoch. Wer sucht, bangt und muss selbst erst verstehen, wohin die Suche führen soll. Ein Geschenk soll’s sein, ganz klar, für einen lieben Menschen, wen sonst.

Doch was soll es sein, was passt denn gut, was ist nicht zu banal? Was braucht die Person, was hat sie noch nicht, was wünschte sie sich nochmal?

Im Gedankengang des Suchenden überschlagen sich die Ideen. Ein paar sind gut, viele sind schlecht und kaum eine scheint zu passen. Denn letztendlich geht es nicht nur um sie, diese Person, die beschenkt werden soll. Was ein Geschenk zu einem Volltreffer macht? Wenn es die Beziehung zwischen Beschenktem und Schenker verdeutlichen kann. Das Geschenk ist nicht nur eine Überraschung für ersteren, sondern auch eine Wohltat für den anderen. Fröhlichkeit und Stolz füllen die Brust, wenn man endlich das Richtige gefunden hat. Doch vor allem mischt sich eine befreiende Heiterkeit in den Gefühlsmix. Und die Sicherheit, die Person mit dem Geschenk nicht nur materiell zu bereichern, sondern ihr zu zeigen, dass man sie versteht und weiterhin schätzen wird. Ein unausgesprochenes Versprechen, das keine Worte braucht. Eine Geste, deren wahre Bedeutung nur zwei begreifen. Beschenkter und Suchender, an Weihnachten sind wir beides.

So geht einem mit dem richtigen Geschenk dann vielleicht doch ein Lichtchen auf. Genau dann hat sich die ganze Dekomühe gelohnt. Denn endlich passt das Gefühl zur Kulisse.

Photo Credit: Unsplash

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