Bäume lauschen leise

Immergrün und niemals nackt. Vor Stolz strotzend legen sie ihr stachliges, nie welkendes Wesen als Stärke aus. Von Smaragd und Turmalin bis Jade stellen sie ihre grün gestrichene Standhaftigkeit zur Schau, unbeirrbar, unbelehrbar. Selbstbewusst mit Nadeln bekleidet recken sie sich in die kalte Luft, deren sanfte Böen ihre Gewänder zum Zittern zwingt. Wenn der Wind… Weiterlesen Bäume lauschen leise

Wunden überwinden, dem Wunderbaren winken

Wir kleben fest am Pflaster, das die Jahre heilt. Mühevoll wandeln wir den klebrigen Boden entlang, fiebern mit aufgesetztem Optimismus und naiver Hoffnung der Genesung entgegen, die nach Raclette-Käse und Wunderkerzen-Funken riecht. Die Wunden dieses sterbenden Jahres haben es eilig. Nur gut vernarbt und oberflächlich heil wollen wir mit ihnen den Kopfsprung wagen, hinein in… Weiterlesen Wunden überwinden, dem Wunderbaren winken

Christbaum schüttel dich

Jetzt haben Straßen wieder virtuos geschwungene Kronen aus weiß-gelben Lichtern auf. Das wirkt für manche magisch, andere brüllen den Lichtlein lediglich ihr langgezogenes Glühweingähnen mit rot leuchtender Nase entgegen. Gegen diese Nasen sind die blinkenden Sterne und Engel, die aus allerlei Häusern starren, gar nichts. Unauffällige Deko, eingerahmt in Straßengirlanden und feuchtfröhlich eingebettet in Weinachtsmarkt-Tinnitus.… Weiterlesen Christbaum schüttel dich

Da hängt Kunst an der Wand

Da hängt Kunst an der Wand wie kleine Fenster in vergangene Epochen. Wie Spiegel, die die Gegenwart reflektieren. Wie Schilder, die uns in die Zukunft weisen sollen. Alles in Themen gebündelt und in Häppchen serviert. Genau richtig dosiert, wie diese eine Kirsche auf einem wabbeligen Turm Schlagsahne, der den Amarenabecher krönt. Damit einem gerade so… Weiterlesen Da hängt Kunst an der Wand

Von vorgestern bis übermorgen

Zum Kaffeetrinken trägt man Sonnenbrille, Kaschmirschal und am besten noch Sommersprossen, das macht sich gut in der Novembersonne. Hier, wo doch alles geschäftig und wichtig ist, in einer Stadt, wo man Diplomaten an der Dönerbude trifft und Politiker am Pommesstand. Und die Sonnenanbeter findet man eben auf den Café-Terrassen, die eigentlich Bürgersteige sind. Ganz großstädtisch-entspannt.… Weiterlesen Von vorgestern bis übermorgen

Wolken kuscheln lila

Immer marionettenhafter, immer rauschender. Der Beat stockt, die Melodie stolpert. Das Bassgedröhne bekommt Husten und das Klaviergeklimper fällt in Ohnmacht. Fragmente einer Melodie verfolgen sich in staccato, lassen an den unmöglichsten Stellen Pausenhäufchen fallen, die die zusammenhangslosen Laute geräuschlos verbinden. Im Auto, auf der Autobahn und der Radiosender bekommt nicht mehr genug Frequenzfutter. Da verlassen… Weiterlesen Wolken kuscheln lila

Mit jedem Schritt, mit jedem Blick

Mit jedem Schritt lecke ich gedankenverloren an den vergangenen Erlebnissen. Die Füße saugen den Lebenssaft aus dem Herzen dieser rot-orange-gelb leuchtenden Stadt, in der Hoffnung, den Körper endlich wieder mit diesem vibrierend-neugierigen Rhythmus zu durchfluten. Die Schuhe will ich daher kaum mehr vom Boden heben, sie schlürfen die kuriosen Straßenverläufe entlang, streicheln den glatten Bodenbelag… Weiterlesen Mit jedem Schritt, mit jedem Blick

Nichts Konkretes

Nie so passiert. Aber oft in Gedanken erlebt. Manchmal nur Wörter, oft die schlagfertigsten Sätze, manchmal ganze Stücke, in drei Akten mit endlos verschlungenen Szenen. Doch immer zu wertvoll, um in der echten Welt eine Inszenierung zu finden. Was wäre die Fantasie nur ohne sie, diese fast irrsinnig-naiven Gedankenkonstrukte? Abdriften, schwelgen und irgendwann irgendwo ankommen.… Weiterlesen Nichts Konkretes