Langhalsig, majestätisch und unverschämt arrogant lässt sie einen fast neidisch werden. Dabei ist sie doch jene, die grazil und ostentativ ihre feingliedrigen Blüten in schreiendem Gelb zur Schau stellt. So als würde sie es spüren, dass sie das Resultat einer ungeplanten Laune der Natur ist, streckt sie der sorgfältig gepflanzten Pflänzchenschar, aus der sie herausragt,… Weiterlesen Unkraut-Königin
Autor: piaaurelia
Firenze
Eine Stadt in beneidenswerter Pracht mit musealem Prunk. Breite Lebensadern und schmale Venenläufe pumpen unablässig den erhabenen, edlen Künstler-Geist zum Herzstück des Renaissance-Schaffenszentrums. Beim Betrachten der imposanten, architektonischen capolavori, die sich auf dem viel zu kleinen Platz drängen und mit dem Sonnenuntergang immer näher zusammenzurücken scheinen, bevor sie am nächsten Morgen den Menschenmassen wieder mehr… Weiterlesen Firenze
Grauschleier
Grau in Grau Federleicht und doch so bedrückend Schwebt sie durch die Lüfte, zieht sie ihre weiten Kreise wie ein unsichtbarer, verheißungsvoller Vogelschwarm. Verführerisch sanft streichelt sie uns die Wangen, die Augenlider, die Nasenspitzen mit ihrem schäbigen Schleier, schwach aber schwer, die triezende Schande eines viel zu schwerfälligen, niederträchtigen Zustands, eines unumgänglichen Umstands, einer die… Weiterlesen Grauschleier
Lebhaft leblos
Die blasse Wand wird von der Sonne geküsst und leuchtet mich freudestrahlend an. Noch nie wurde ich so sanft durch einen Kuss zwischen lebensspendendem Licht und liebloser Trennmasse geweckt. Kaum eine Geste könnte symbolischer und tröstender sein als die liebevolle Vereinigung von Lebhaftigkeit und Leblosigkeit, aus der der Lichtstrahl als Sieger und zugleich als Eintönigkeits-Überwinder… Weiterlesen Lebhaft leblos
Bologna
Länger kann ich meine zermürbende Nostalgie nicht mehr schlucken, immer wieder die trockene Kehle hinunterschicken. Mit nassgewaschenen Augen. Die aus roten Steinen konstruierte italienische Gelehrtenmutter lässt meine Gedanken einfach nicht ruhen. Die Erinnerungen sind unbeherrschbar, stark und unzerstörbar, als würden sie von einer der massiven Arkadengänge der Tortelliniideatorin beschützt. Als trüge ich meine sentimentalen Memoiren… Weiterlesen Bologna
Krautige Ästhetik
Ich sehe das Unkraut wuchern und muss automatisch an jenes abscheuliche, auffordernde Verb „jäten“ denken. Kein anderes Unwort, nur dieses krautige, hat das Schicksal so stark getroffen und wurde dazu verbannt, eine Liaison mit diesem gähnenden Tunwort einzugehen. Zumindest fällt mir kein anderes Wort ein, das ein Jäten fordert. Das Unkraut in den steinernen, quadratischen… Weiterlesen Krautige Ästhetik
Quarantäne-Symphonie
Von Orientierungslosigkeit komponiert. Von Ratlosigkeit orchestriert. Von kraftraubender Unsicherheit bis an ihre Grenzen ausgereizt. Klingt diese Melodie noch nach Hoffnung? Sie peitscht uns unablässig und pietätlos um die Ohren, als lästiger Ohrwurm, der sich jeglichen Geborgenheitscharakter entledigt hat. Die Geborgenheit hat sich nämlich über Wochen zu einem zähen Gefährten aufgebauscht, der nun unschuldig blickend vor… Weiterlesen Quarantäne-Symphonie
Verschachtelte Landschaft
Unsere Terrasse ist nun unsere liebste Reisedestination. Sie ist noch sehr spärlich bestückt – zwei Stühle, ein Tisch, reichlich Unkraut und einige bewusst gepflanzte Zierpflänzchen, die unseren Frischluftkäfig begrenzen – bietet aber bereits ein ausgereiftes Alltagsspektakel mit ihrem öden Ausblick auf die brachliegenden Flachdachfelder. Hier und dort krönen Antennen, Satellitenschüsseln und Sonnenkollektoren die Häuserhäupter. Wir… Weiterlesen Verschachtelte Landschaft
Liebesbrühe
Die meditative Stille, wenn zwei Liebende eng verschlungen, – konzentriert und tiefenentspannt – zusehen, wie die Moka, angetrieben vom kochendem Wasser im Kesselsockel, nach und nach die heiße schwarze Brühe durch einen dünnen Schornstein in das oktagonale Ausgießbecken spuckt. Kaffeeabhängigkeit ist aber nur eine ihrer Gemeinsamkeiten, das bittere i-Tüpfelchen, das ihre innige Zweisamkeit krönt. Das… Weiterlesen Liebesbrühe
Verona
Heute Morgen, als ich noch dösend im Bett lag, habe ich zu lange an diese italienische Schönheit gedacht. Fünf Jahre ist es nun her, dass sie mich verführte. Ich war Teil ihrer Lebensfreude, die ich ganz natürlich und rasend schnell, in nur wenigen Tagen, verinnerlichte. Schon beim ersten kurzen Besuch, der mich zu ihr führte,… Weiterlesen Verona









