„Hör nie auf anzufangen.“ Doch wer traut sich’s wirklich?
„Die Stille ist voller Antworten.“ Doch wer hält sie überhaupt aus?
„Um lange leben zu können, lebe langsam.“ Doch wer hat schon die Geduld dazu?
Wir machen einfach weiter, brüllen nieder, laufen schneller. Hecheln Zielen hinterher, tippen Smartphoneakkus leer. Quetschen Kalender proppenvoll, finden Energybooster toll. Laufen weiter, brüllen lauter. Und werden kurz mal heiter. Wenn der Tee zieht und sein Fähnchen schwenkt.
Auf dem steht dann: „Sei immer Du, und sei es ganz!“ oder „Liebe ist Stärke und wird dir Erkenntnisse bringen“. Man nickt und glaubt kurz selbst daran, dass so ein kleines Papierchen einen ändern kann.
Ein paar Tassen Tee, schon klingt man selbst wie eine gute Fee. Naiv und lieblich. „Gebe dir selbst dieselbe Aufmerksamkeit wie anderen“, steht auf einem Teebeutelfähnchen. Wir gehen damit missionieren, schreiten durchs Büro und philosophieren. Mit leicht gekrümmtem Rücken. Niedlich.
Nichtssagendes Sprechen. Lautgewächse, die aus der Nase sprießen und in den Mund wachsen. Sie wurzeln nicht im Verstand, sondern klammern sich ans Smalltalk-Gehirn. Zähne beißen das Plattitüdengras. Die Kehle käut wieder, der Mund macht Geräusche und speit den Mist.
Guter Dünger für eine neue Weisheit. Doch bringt sie auch Klarheit? „Fokussiere Dich auf Deine Stärken und schreite aufrecht voran.“ Der Teebeutel plumpst in den Mülleimer wie lästiger Ballast. Der Rücken wird gerade. Endlich zieht Stille ein. Und es verstummt das Phrasenschwein.
Photocredit: Unsplash/Myriam Zilles