Ich Pflänzchen mit losen Wurzeln, schwankendem Stängel, erhabener Blüte, an den Blätterspitzen leicht verwelkt. Zu stark gegossen mit Glück und Zufall. Glücklichem Zufall. Unwissend einem Plan folgend, der im Himmel liegt. Da ganz oben, wo mein bunter Scheitel nicht hinreicht, der langsam seine Pracht verliert. So wie alles vergeht wie’s im Plan steht.
Meine Füße tragen mich – nur wohin? Ich halte mir die Ohren zu, um’s nicht zu wissen. Wer hört, sieht besser. Ich stopfe mir die Ohren mit Wurzelwerk, das immer mehr meine Füße beschwert. Der Boden hält sich an mir fest. Das soll nicht sein, hab ich beschlossen. Weg mit dem verhedderten Ballast!
Möglichkeiten manövrieren. Bis es zu spät sein wird. Bis dahin – springen, tanzen, laufen. Wie damals durch den Rasensprenger, über Tanzflächen und Bühnen. Spazieren, flanieren, schlendern. Über italienische Plätze, französische Straßen, portugiesische Strände. Um immer wieder zurückzukehren. In den Garten, wo ich einst Wurzeln schlug, die nie greifen sollten. Zwischen Sandkasten und Klettergerüst, Schaukel und Terrasse. Hier wurde ich gegossen, hier habe ich mich getränkt. Um zu etwas zu sprießen, erwachsen verträumt.
Immer barfuß, sonst plagen mich Blasen. Immer auf Zeit, sonst erwürgt mich die Zukunft. Immer wurzellos auf der Suche nach lockerer Erde, in der ich schwanken kann. Weiterwelken, um neu zu erblühen.
Photocredit: Ahmad Odeh/Unsplash