Farbfleckenmeer

Schließ die Augen und blick aus dem Fenster. Lass dich überraschen, wie viel du siehst, ohne zu schauen.

Koste diese vagen Flecken Buntheit unter den bebenden Lidern. Wunderbar wirr. Unechte Farben kitzeln konturlos die Augäpfel. Sie verscheuchen den Verstand. Der verdaut nur, was die Seele kaut. Das Gehirn schluckt, was das Herz schleckt. Erst das Schmecken, dann die Moral. Normal. Doch heute warten wir erstmal. Denn wir verstehen, ohne unsere Gedanken zu lenken. Wir wollen das Denken einschränken.

Schließ die Augen und blick aus dem Fenster. Lass dich überraschen, wie viel du siehst, ohne zu schauen.

Such dir Sonne, damit Wärme deine Augenlider streichelt. Setz dich in einen Zug. In einen Bus oder eine Tram. Damit das diffuse Licht in Bewegung kommt. Bade im Farbfleckenmeer. Bis darin der Verstand ertinkt. Schwimm durch die grell vibrierenden Kleckse. Die Seele verschlingt das imaginäre Elixier. Das doch so echt ist, du siehst es ja.

Schließ die Augen und blick aus dem Fenster. Lass dir beweisen, dass du immer im Bunt badest, am Licht leckst. Auch wenn das Leben gerade nicht danach schmeckt.

Schließ deine Fenster, um deinen Verstand durchzulüften. Und mit Farbe zu fluten.

Fotocredit: Sean Sinclair/Unsplash

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