Sie steht an der Busshaltestelle oder läuft am Theater vorbei. Sie geht durch einen Park oder schlendert durch die Fußgängerzone. Sie ist nie dieselbe. Sie ist viele. Viele mit Blumen, und keiner soll’s sehen, so scheint’s.
Sie trägt Bouquets spazieren, Papiertrompeten, die Blumenpracht speien. Das Bunte sieht keiner, doch jeder ahnt’s. Die herauslugenden Stängel am schmalen Trichterende verraten’s.
Der Strauß liegt auf ihrem rechten Unterarm, die Fingerspitzen streichen das starre Stängelgrün. Lila, Gelb und Rot schlummern in ihrer Armbeuge unter der knisternden Papierdecke. Den Schönheitsschlaf der Blumen stört nicht einmal der hupende Verkehr. Keiner hat je darüber nachgedacht, doch jeder glaubt’s sofort.
Wenn man sie nur schnarchen hörte, wär’s einfacher zu verstehen. Vielleicht spürt sie sie atmen? Sie, eine der Vielen, sie, die Blumen. Wenn ja, dann will sie, dass es keiner weiß. Zur Schau tragen kann sie, nonchalant stolziert sie, als gäbe es das Bouquet-Baby nicht. Als wäre das ihre normale Armhaltung. Doch wenn keiner hinschaut, wiegt sie’s sachte.
Buntes Kuscheln raschelt. Die Blumen verlieren sich in duftenden Küssen. Die einzige Ablenkung, die ihre Vorfreude stillt: Wo kommen sie hin? Wem werden sie gehören? Nur eine weiß es, eine von vielen. Sie will grüßen oder versöhnen, gratulieren oder überraschen. Durch die Blumen, ordentlich trompetig und deutlich, ehrlich und aufrichtig.
Viele mit Blumen fehlen den Menschen.
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