Im lauwarmen Leuchten der Stadt zittert zarte Vorfreude. Sie brennt im Bauch, glühweinsüß. Sie flammt in den Fingern, streichelt die Stirn, rutscht runter auf die Lippen. Prächtiges Prickeln. Dann legt sie sich auf die Seele und summt. Jedes Jahr die immergleiche Melodie. Einschläfernd? Wachrüttelnd?
Unruhestifter mit Balsamwirkung. Die Antithese der Weihnachtszeit. Süßzäh, klebrigbröselig. Schwimmen in Zuckerwatte. Planschen in gähnender Fülle an allem, was eben dazugehört.
Warme Gefühle, heiße Liebe. Oder kalte Sehnsucht. Herb, bitter, grimassenschneidend. So wie immer, nur in goldenem Rahmen verziert mit Engelchen, Herzchen, Sternchen. Sprechen im Diminutiv – die Idylle pflegen. Böse Gedanken wegfegen – einfach nicht darüber reden. Die Festvorbereitungen gären und füllen den Mund. Alles Plätzchen, Punsch und Tannenbaum. Für Gesprächsstoff ist gesorgt.
Das Fest kleidet sich immer gleich. Trügerische Routinen? Routinierte Traditionen? Traditionelle Rituale? Alles, aber für alle anders. Erleuchtung im Flackern der Flammen, im wohligen Bad des Lichtermeers.
Doch dann knipst die Stadt die Lichter aus. Rahmenwechsel, Frühling kommt. Nichts bleibt?
Wir lecken uns den letzten Puderzucker von den Lippen. Alle Plätzchen sind in den Bauch gepackt, Papiertonnen mit Geschenkkartons gefüttert, vertrocknete Bäume zerkaut, brennholzfertig. Weg mit allem, so wie letztes Jahr, das Jahr zuvor und wie immer schon. Das Programm geht weiter. Vorfreude verprickelt, ruht sich aus, holt Luft, damit sie nächstes Jahr wieder genug Puste und Spucke hat, um ihre ansteckenden Schaumbläschen zu versprühen.
Und zwar in der gewohnten Kulisse. Gold-rot, silber-grün. Zwischen Buden, bei Kerzenschein. Trigger für die Seele, damit sie weiß, wie man sich fühlen soll. Der Kopf erledigt den Rest, summt und brummt diese eine Melodie. In einer Vorfreude, die eigentlich saisonlose nährende Zuversicht ist. Immer da, doch keiner greift danach.
Rahmen sprengen. Programme ignorieren. Kulissen hinterfragen. Dafür zwischendurch Luft holen und an zielloser Vorfreude knabbern. Auch außerhalb der Festsaison dürfen wir naschen.
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