Klar und irre

Plopp. Klonk. Plumps. Wie würde sich das wohl anhören? Oder würde es eher zischen? Kurz schäumen, Blasen schlagen, wenn die Zähne der Schlüssel die Wasseroberfläche zerschneiden. Soll ich es herausfinden? Es wagen und meinem Impuls folgen? Dieser dummen Laune, die meinen Verstand betäubt, ihn mit einem klirrenden Gedanken mumifiziert. Ihn erst nett einbalsamiert und dann mit dieser klaren wie irren Idee umwickelt, ihn damit festbindet, sodass er sich nicht mehr wehren kann.

Einfach den Schlüsselbund in den Teich werfen. Und sofort danach weglaufen. Rennen, immer geradeaus.

Plopp, klonk, plumps – wie auch immer sich der Startschuss anhören würde. Er würde meine Beine antreiben, meinen Körper losschicken, während die Schlüssel langsam sinken. Arbeit und Wohnung weggeworfen. Alles ertrinken lassen, was runterzieht und einengt. Was Sicherheit gibt und anständig ist. Kein beruhigendes Geräusch von Schlüsselgeklimper mehr in der Tasche?

Alles nur Kopfgeklirre, unverwirklichte Möglichkeit, so klar hinter meinen Augen. Vor ihnen passiert nämlich nichts.

Da liegt der Teich, ruhig, schaumlos. Heute werde ich ihn nur mit irren Blicken füttern. Im Schlüsselbundring steckt mein rechter Mittelfinger, alle anderen Finger weggespreizt, offen verkrampft, damit sie sich beherrschen. Die Schlüssel baumeln, klirren schrill, nervös, als könnten sie meine Gedanken erahnen.

Ich hab ihnen wohl Angst gemacht… will’s wieder gutmachen und schüttel und rüttel sie sanft. Sie klimpern jetzt und kreischen nicht mehr. So harmlos unschuldig hängen sie unter meiner Handfläche.

Wie damals Jojo, dieses Rad an der Schnur. Vom Prinzip her so klar und einfach: Fallen lassen, hochziehen, immer Spannung in der Hand, minimale Bewegung. Erst Neugier, dann Ehrgeiz, dann Verzweiflung, irgendwann Frustration, wenn’s wieder nicht klappt und das Rädchen an der schlaffen Schnur nach unten baumelt. Anstatt irre rotierend am straffen Faden scheinbar stillsteht. Obwohl es hastig durch die Luft rollt und Beobachter hypnotisiert, sie in eine Gedankenschleife einlullt. Wer kann schon den Blick von einem rotierenden Jojo wenden, dem Moment scheinbaren Stillstands, der unbeirrt und unausweichlich vor sich hinrollt, widerstehen? Ich stand oft da wie mumifiziert, starr und atemlos, um das Rädchen nicht zu stören, den Moment ewig hinauszuzögern. Verwickelt in beeindruckende Einfachheit. Ich war immer hypnotisierte Zuschauerin. Selbst beherrschte ich die Jojo-Kunst nicht. Bei mir lief’s nie rund, nie starr nach Spielanleitung.

Schlüssel-Jojo-Geklimper weckt mich aus dieser Tagtraummeditation, so dumpf, sinnlos. Nur um mich kreisend, mich selbst einlullend mit rollenden Erinnerungen. Das Geklimper wird immer lauter und schneller. Ich laufe. Geradeaus. Mit metallener Last am Mittelfinger. Leben, aber nicht zu extrem. Erwarten, trauen, losmachen, scheitern. Nie wieder Mumie. Dann wird’s bestimmt mal ploppen.

Photocredit: Pixabay/luginbuhlta

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