Die Sonne küsste die Baumkronen wach. Das Liebesprickeln rutschte in den Stamm, der den nervös blubbernden Saft in seine Wurzeln schickte. Vom Boden erhob sich moosige Waldwärme. Sie strampelte steif uns rastlos durch die Luft. Irgendwann traf sie mich, massierte mir die Wangen, lockerte meine Finger. Sie schenkte mir Stille und Staunen. Auch Leichtigkeit. All das, wovon sie selbst nicht genug hatte.
Ohne Ruh war sie auf der Suche nach ihrem strahlenden Ursprung. Diese Waldwärme, sie war Wind, der ohne Verstand dahinschwebte, nur einer vagen Sehnsucht nachflatterte. Eine wurzellose Laune, ein von Licht geschwängertes Nichts, eine Ladung Wärme, die mir die Atemwege weich und wohlig hauchte. Ich sog sie ein, dann zog sie weiter.
Doch der Kuss blieb aus. Die Sonne rollte langsam über die Hängematte aus Baumwipfeln. Das war der bequemste Weg, um ihr Tagespensum zu erledigen. So sah sie nur raschelndes Grün, in das sie ganz vernarrt war. Zu verliebt, um sich um die farblose Luft zu kümmern, dieses schwüle Nichts, das um ihre Aufmerksamkeit buhlte, schon die Lippen spitzte.
Die Waldwärme wurde immer schwächer und verlor ihr moosiges Aroma. Irgendwann verpuffte sie, war ausgehungert. Nur ich trug es noch in mir, dieses Nebenprodukt einer gold-grünen Liebe. Einer Laune der Natur.
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