Lasst uns nach oben fallen, immer wieder scheitern und uns am Kopfüberhängen erheitern. Mit blutbeladenem Kopf und eingeschlafenen Füßen, ohne uns irgendwo festzukrallen. Einfach nicht wollen, was andere begrüßen. Immer weiter fallen in unsere eigenen heiligen Hallen, wo wir unser Scheitern feiern. Mit Tanz und Tränen. Wobei wir niemals etwas haben zu büßen. Denn wir haben’s wenigstens probiert, was Eigenes kreiert, uns selbst in diese Realität hineinplatziert. Mit eigenem Willen und Wahn. Auch wenn’s sonst nicht gefällt, ein anderer uns diese Freude vergällt.
Wir fallen immer wieder weiter. Kopfüber, nach oben, stolz und in Erwartung der kommenden Missglücke. Wir wischen uns die Angst von der Schulter und stopfen uns eine große Handvoll Mut in die Hosentaschen. Damit wir die Zuversicht nicht verlieren, wenn wir wieder scheitern. Damit wir genug Mut griffbereit haben, wenn wir wieder fallen und mit dem Scheitel die Wolken berühren.
Immer wieder auf und ab, mehr Ab als Auf, aber doch ganz richtungslos. Schwerelos, ohne Boden unter den Füßen. Wir schwelgen durchs Nichts unserer Ideen und Taten, wir schwimmen im Scheitern, ohne je das Ufer zu sehen. Denn Horizonte gibt es nicht. Sie sind flaue lila Launen all jener, die an bonbonbunte Wahnbilder glauben. Sie jagen diesen Fata Morganas hinterher, gierig und leer, wollen von Erfolg und Ruhm immer mehr. Bloß kein Fehltritt, Scheitern ist Sünde. Sie ahnen ja nicht, was ihnen dabei entgeht.
Wir aber purzeln durchs Leben mit der Angst auf der Nasenspitze, damit sie uns der Wind schleunigst wegbläst. Wir stolpern durch den Alltag mit ordentlich Mut in der Kehle, damit wir ihn hinausbrüllen können, wenn wir die Schwerkraft umkehren und kopfüber an unserer Lebensleiter hängen. An dieser Schicksalsstange, die für uns keine Richtung hat. An der wir uns nicht festkrallen. Von der wir aber immer wieder gerne fallen. Nach oben und kopfüber. Um all diesem Irrsinn nicht zu verfallen. Und wir fallen und fallen. Bis wir irgendwann sanft gegen die Wolken prallen.
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