Nie so passiert. Aber oft in Gedanken erlebt. Manchmal nur Wörter, oft die schlagfertigsten Sätze, manchmal ganze Stücke, in drei Akten mit endlos verschlungenen Szenen. Doch immer zu wertvoll, um in der echten Welt eine Inszenierung zu finden. Was wäre die Fantasie nur ohne sie, diese fast irrsinnig-naiven Gedankenkonstrukte? Abdriften, schwelgen und irgendwann irgendwo ankommen. Nur nie in der Realität. In dem, was wir die Wirklichkeit nennen. Die aber doch so fragil ist. Immer ist sie anders, für alle und überall. Verstehen unmöglich, nur respektieren geht irgendwie. Wenn der Wille da ist.
Empathie, der Schlachtruf der Idealisten. Eine so kompakt-präzise Worthülle, gefüllt mit allerlei Anspielungen. So wird Konkretes abstrakt und lädt die ratternden Gedanken ein, zu flattern. Zu fliegen in Höhen und Tiefen aller Fantasiesphären. Um etwas vorzugaukeln, das doch so gut sein könnte. Wenn es nur die Berechtigung bekäme, Wirklichkeit zu werden. Ein innerer Wunsch, ein Drang. Ein innerer Klang, oder eher ein Zwang? Sich loszulösen, etwas zu wagen, endlich diese Rolle einzunehmen und diese Worte zu sagen. Diese Dinge zu tun, gerade wegen des Risikos. Regisseur und Schauspieler zu sein. Und sich nichts um die Meinung des Publikums zu scheren.
Nie so passiert. Aber oft in Gedanken konstruiert. Gefühlt bis in die Zehenspitzen. Bis die echte Erde unter einem bebt. Und es schon zu spät ist… für diesen mutigen Schritt. Die Inszenierung im Leben, um der Wirklichkeit einen neuen Anstrich zu geben. Um Gedanken endlich tanzen zu lassen, da draußen; sie nicht nur immer einzuzwängen. In den endlosen Gängen, in denen sie immer nur herumhängen. Keinen Ausweg finden, auch wenn sie noch so sehr gegen den Verstand demonstrieren. Raus, einfach raus und dann rein in dieses komische Undefinierbare.
Doch wir landen immer am Beginn dieser Endlosschleife. Eine ermüdende Dauervorstellung, die dort beginnt, wo wir jeden Morgen aufwachen, wo wir unsere Rolle einnehmen müssen. Um diese für den Alltag vorgefertigten Akte lethargietrunken abzuspulen. Bleibt die Frage: gewollt oder gezwungen, vielleicht sogar notgedrungen?
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