Die Waschmaschine hat sandigen Mundgeruch. Unzählige raue Sandkörner musste sie schlucken, gewohnt ist sie aber nur an weiche Socken. Schwere Kost, harte Arbeit für den Magen.
Ich habe gerade eine Woche Urlaub aufgehängt. Ein Kleidungsstück neben ein anderes geklipst, in erster bis siebter Reihe, eng an eng, kaum mehr Platz übrig. Jede Wäscheklammer fixiert eine Erinnerungsstütze, jedes Kleidungsstück war vollgesaugt mit Urlaubserinnerungen. Hosen, Kleider, T-Shirts sind jetzt neutralisiert, freigewaschen, bereit für neue Abenteuer; die Erinnerungen sind verwässert, sauber gewaschen, bereit erzählt zu werden.
Nach der Tortur der seifigen Süßwassersuppe, so einschläfernd und geschmacklos, sehnt sich die Badekleidung wieder nach belebendem Salzwasser. Jetzt hängt sie gemeinsam mit anderen Kleidungsstücken, die nicht das Privileg hatten, sich in die Weiten und Tiefen des Meeres zu stürzen, auf dem Wäscheständer und fühlt sich im Stich gelassen. Dafür ist sie nicht bestimmt.
Alles hängt schlapp und flattert lustlos. Die Waschmaschine spürt noch die letzten hartnäckigen Sandkörner in ihrem Schlauchhals und glotzt einäugig zu seiner gerade eben durchgeschleuderten Beute.
Alles duftet unschuldig. Was nassgeschwitzt war, duftet jetzt nach Veilchen. Der Geschmack des Erlebten ist im Nachhinein immer süßer als die dahintersteckende Wahrheit.
Photocredit: Unsplash