Manche hängen, andere sitzen, manche schwimmen, andere schwitzen. Alles gleichzeitig, unmöglich. Der menschliche Körper, eine Maschine, die nur ein Programm abspult, kein Virtuose. Nur die Duftmoleküle, die wissen, wie man’s macht. Sich zu vereinen und alles gleichzeitig zu sein. Die Nase zu verführen mit ihrem weise komponierten Schwimmbad-Dreiklang: Chlor, Pommesfett, Sonnencreme. Eine Komponente fehlt, und schon ist nicht mehr Sommer.
Der Pool-Planscher mit seinen gespreizten Armflügelchen. Träge fährt er im Wasser Fahrrad, oder tut zumindest so. Wenn schon nicht schwimmen, dann wenigstens moderate Bewegung. Wäre ja sonst umsonst. Das Eintrittsgeld und das In-die-Badehose-Zwängen. Immer schön treten, die Hüften ölen mit geschmeidigen Bewegungen.
Die Pommestüten-Tante in Plapperlaune hält den fetttriefenden Snack wie ein Mikrofon. So lässt es sich besser plärren. Sehr eindrucksvoll. Wo sie auch vorbeiläuft, sie weiß alle Blicke auf sich. Vor lauter reden vergisst sie das essen. Wenn ein goldschimmerndes Kartoffelfingerchen auf die Liegewiese fällt, ist aber der Teufel los. Endlich ist sie bei ihrem Schatzi angekommen. Der steckt ihr ungefragt drei Pommes in den Mund. Und sie ist für einen Moment still.
Der Beckenrand-Beau in Lazy-Pose, Unterschenkel im Wasser hängend, lässig schlenkernd. Hände hinterm Po abgestützt, Oberkörper schräg, eine gerade Linie. Die Bauchmuskeln mit Sonnenöl bepinselt, effektvoll angespannt. Wieviel Konzentration ihm das abverlangt? Seine sonnenbebrillten Augen geben keine Auskunft. Und die Mundwinkel zucken nur dann hin und wieder aufgeregt, wenn ihm ein klein bisschen Wasser auf die Stirn spritzt, ihm über die Schläfen rollt und wie in Zeitlupe tröpfchenweise in den Schoß fällt.
Manche hängen, andere sitzen, manche schwimmen, andere schwitzen. Im Freibad sieht man sie alle. Typen und Tanten, die schreien und schlemmen, schweben und schwelgen. Nicht in der Vergangenheit, die findet man hier öde. Sondern im gegenwärtigen Moment, der einen sanft streichelt und so tut, als könnte es für immer so bleiben. Weil es schon immer so war.
Photocredit: Unsplash