Blick in die Röhre. Im Museum.

So kastig wie erwartet, so kantig wie möglich, so klobig wie er eben sein muss. Damit er ins Museum passt. Doch nein, dieser Röhrenfernseher ist kein Ausstellungsstück. Er gehört zur Ausstattung wie Rahmen und Erklärschilder. Er zeigt doch nur und will sich doch eigentlich verstecken. Doch ist er dafür zu korpulent. Und das, was er zeigt? Oft schwer zu verstehen, meist wenig turbulent.

Der massive Erklärkasten im Ausstellungsraumeck. Was läuft da gerade? Um das herauszufinden, stellt man sich fünf Minuten davor. Schaut. Versteht man was? Das Gehirn ist gar nicht am Inhalt interessiert. Es driftet ab und entspannt, gönnt sich Urlaub. Die Augen dürfen jetzt einfach nur glotzen. Fast wie hypnotisiert, in Flimmer-Trance. Teilnahmslos starren sie auf das wellenartige Geflimmer. So verschreckt von der enormen Pixelgröße vergessen sie zu blinzeln. Auch die Schultern werden schwer, die Knie weich. Zum Glück steht vor dem Fernseher ein einfacher, harter Holzhocker ohne Lehnen. Beim letzten Schritt zum erleichternden Sitzen verfängt sich der Fuß im Kabel, das dem Röhrenmonster wie ein langes Ohrläppchen an der Seite herunterhängt. So fällt einem der Kopfhörer in den Schoß. Der kratzige Sound durchbricht die meditative Stille. Ohrenwärmend, ein unbekanntes Verlangen stillend. Ein rauschartiger Zustand mit unerwartetem Effekt, der die Sinne schärft.

Genug geschaut und gehorcht. Was verstehst du davon? Worum geht’s? Oder ist das nicht egal? Hauptsache, du begreifst, was mit dir passiert, wenn du in die Röhre guckst. Und verstehst, wieso du das machst. Weil das Ding hier rumsteht und schließlich zur Ausstellung gehört? Weil der Film dich wirklich interessiert? Er über Künstlerleben, Werke, Installationen und Happenings vergangener Zeiten berichtet? So oder so: Du bist Nostalgiker, lässt dich einlullen von überholter Technik, die bescheiden in der Ecke steht, aber gnadenlos um deine Aufmerksamkeit buhlt. Und du gibst nach.

Dieses Flimmer-Ding, das die Augen verwirrt, worüber ständig was schwirrt. Immer. Doch irgendwie hat man keinen Schimmer, wieso das Geflimmer? Dazu diese Kopfhörer, schon hört man das Gewimmer. Von dem man sich immer erhofft, dass es das Bewegtbild doch bestimmt erklären wird. So ist es aber selten, fast nie. Und nimmer. Wie ein glimmendes Zündholz, das einfach nicht ganz erlischt. Man muss einfach hinsehen. Immer.

Ein Abgesang auf den Museumsröhrenfernseher? Oder doch eine Hymne? Wie auch immer. Er gehört dazu und kredenzt uns einen Museumgenuss, der staubig schmeckt und paradoxerweise gleichzeitig alte Zeiten aufwärmt und Fortschrittshoffnung nährt.

Photocredit: Unsplash

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