So nett, nebensächlich und nichtssagend – die Leichtigkeit der Sorglosigkeit. Diese Essenz des Nichts, mit der wir uns doch so gerne umgeben. Eine bewährte Strategie, um sich Idyllen zu schaffen, sich von der Realität abzulenken. Doch unberechenbare, irre Launen reichen, um uns den Banalitäten unseres Lebens, die unser Dasein zugegebenermaßen schöner machen, bewusst zu werden. Beispiele gefällig? April und Krieg.
Ihren Schnabel reckten sie frech der Sonne entgegen, als wollten sie lauthals losbrüllen: „Unser Gelb ist doch viel schöner als dein blendendes Weiß!“. Sie tröteten lauthals, optisch schreiend, fast expressionistisch wie bei Munch, so rund, organisch mit süßem Schlund. Sie streckten uns ihr Knutschgesicht entgegen, dieses blütenbekränzte leere Röhrchen, irgendwie nett, aber nichtssagend. Ihr kreisförmiges Grinsen ist jetzt schmerzlich verzerrt. So labbrig, ohne Spannkraft, so mühevoll gezwungen. Kälte, Wind und sogar Schnee haben die frechen Mäuler zum Schweigen gebracht.
So ist er, der April, pietätlos, selbst die Märzenbecher ärgert er. Uns Menschen und unseren Sonnendurst noch viel mehr.
Dieser Monat ist Übergang. Unsere Zeit der unvorhersehbaren Umbrüche in einen Monat gepackt. So wie wir an einem Tag das Alternieren von Sonne, Sturm und Schauer hinnehmen und irgendwann nicht mehr hinterfragen, so stumpfen wir in Kopf und Herz immer mehr ab. Alles ist eine Frage der Gewöhnung. Und so blicken wir jeden Tag auf Gräueltaten mit großem Entsetzen aber abnehmender Verwunderung. Im Fernsehen. Auf dem Smartphone. In den Zeitungen. Doch nur einmal zappen, wischen oder umblättern und schon schaffen wir uns wieder diese Märzenbecher-Idylle, lenken uns ab. Driften ab ins Nette, Nebensächliche, Nichtssagende.
Doch helle Freude ist unmöglich, wenn irre Hirngespinste ihr Unwesen treiben, Machtgier gepaart mit unmenschlichem Wahnsinn auf Unschuldige peitscht. Dieses kriegerische Aprilwetter zehrt an den rastlosen Körpern der Kämpfenden und Hoffenden. Ihr Sonnendurst ist reine Theorie, sie lechzen nach einem friedlichen Ende. Einem Frühling in sorgloser Unabhängigkeit.
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