Der Mann in Olivgrün. „Ich bin noch hier. Ich bleibe hier. Ich geh nicht weg.“
Auf seinen Selfie-Videos. Und vor den Fernsehkameras. Abgekämpft, fest entschlossen. Bittere Miene, klare Worte, durchdringender Blick. Furchtlos?
Schockiert, fassungslos, aber mächtig optimistisch. Authentisch. Die nötigen Worte wählend, nicht nur effektvoll. Dafür motivierend. Anprangernd.
In Olivgrün, seine Uniform im Kriegsalltag. Kampfgewand vor den Kameras. Ein Hauch von Hoffnung in Form eines Stücks Stoff, das nie Feigheit oder Manipulation kleidet. Sondern Mut und Eloquenz. Appelle ohne Propaganda. Dafür Aufrufe zur Selbstverteidigung und Lob an die Tapferen.
Dabei immer in Olivgrün. Nebensächlich auffallend. Diese Kleinigkeit zu bemerken, sie zu thematisieren lädt mir ein Schuldgefühl auf. Einen unsichtbaren Rucksack, steinschwer, voller Alltags-Belangslosigkeiten, die jeden Tag durch meinen Kopf schwirren. Und doch lächerlich sind.
Seine Appelle, die er an sein Volk richtet und über die Nachrichten an mein Ohr gelangen, um mich aus meiner Bequemlichkeitsblase zu locken, treffen mich ins Mark. Obwohl ich keine Ahnung habe. Ich weiß nichts, kann nicht nachvollziehen, wie es ist. Dort. Die Angst, der Lärm, der Gestank zerstörter Häuser, Plätze, Straßen. Das Geräusch des zerplatzten Glaubens in eine respektvolle Nachbarschaft.
Ich, glückliches Kind, aufgewachsen in Frieden. Immer an das Gute glaubend, das das Böse zu überwinden fähig ist. Sich für ewig in Frieden wähnend. In ein doch fragiles Konstrukt menschlicher Träumerei. Begleitmusik einer irdischen Idylle, die schön langsam verstummt.
Doch: Hoffnungsschimmer. Da sehe ich den Mann auf den Bildschirmen, auf dem Smartphone, im Fernsehen. Wie er sein Volk auffordert: „Verteidigt euch, die Demokratie. Das, was die Grundlage unserer Freiheit ist. Unserer Werte und Unabhängigkeit.“
„Wir werden ausharren.“
„Die Welt muss nun ihre Stärke zeigen.“
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