Sauer, bitter, süß und launisch

So kurz, zu lang, noch am Anfang, alles frisch, aber nicht mehr so wie vor einem Monat.

Noch motiviert, doch bereits resigniert, voll Alltagsleiden und Wehwehchen-Klagen, voll sprudelndem Verlangen, so aggressiv wie Kohlensäurewasserbläschen. Sauer, bitter, manchmal süß.

So fühlst du dich an, Februar. 28 ist deine Zahl, so gerade wie krumm. Jedes Jahr aufs Neue verblüfft, so hasten wir durch deine exakten vier Wochen, begreifen, dass du gnadenlos bist, auch wenn du Karnevalsstimmung verbreitest, grotesk und unterhaltend zugleich.

Du bist das Etikett einer merkwürdigen Laune unserer Kultur, die die Natur zähmt, sie zivilisiert und scheinbar willkürlich in Stücke schneidet.

Als Pappnasen-Monat mit Krapfengeschmack überraschst du hin und wieder mit deinem Inhalt, deiner wahren Füllung, die sich mit dem ersten Biss offenbart: Erdbeere, Aprikose oder Vanillecreme. Anpassungsfähig, wandelbar, so bist du doch hin und wieder wunderbar.

Doch bei all dem Theater scheint der vergangene Monat ganz weit entfernt. Dein kleiner Bruder, ein großes Vorbild. Ganze 31 Tage gewährt er uns, jedes Jahr, ist nicht so launisch wie du. Er ist im Gegensatz zu dir kein Verführer, sondern lehrt uns Tugendhaftigkeit. Vorsätze nehmen wir in ihm noch ernst.

Aber keine Sorge, du hast auch gute Seiten, Februar. Dein Trubel ist wie dicke Schminke und trötet Alltagssorgen davon. Kurz und intensiv. Auch wer dich nicht mag, hält dich locker aus. Du bist ja schnell vorbei.

Und zeigst uns die Schwelle zum Frühling.

Photocredit: Unsplash

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