Klimpern, flattern, räkeln, lüften

Die Wimpern klimpern vibrierend und flirrend in unrhythmischem Takt. Das tun sie automatisch bei diesem stechenden Licht. Hell, grell, punktuell zeichnen sich die beiden Lichtquellen ab, eine mitten im Himmelblau, die andere auf einem massiven Körper, der die Skyline dominiert. Die Augen, stark geblendet, aber auf angenehme Weise, lassen sich von ihren natürlichen Gardinen, den Wimpern, schützen. Wegschauen ist keine Option.

Wie zwei Sonnen bestrahlen die beiden Lichtquellen meine Wangen, auf denen sich ein wohltuendes Kribbeln breit macht. Eine Lichttherapie nach all diesen grauen, verregneten Tagen. Die Wimpern werden müde und ich lasse sie einfach ruhen, schließe meine Augen und entspanne meine Gesichtsmuskeln. Nur die Nasenflügel flattern noch. Einfach nur Ruhe und Gedankenlosigkeit in Kopf und Gesicht.

Auf Zehenspitzen und vor Neugier langgestrecktem Oberkörper räkle ich meinen Kopf durch den Dachfensterspalt in den unecht wirkenden, azurblauen Novemberhimmel. Kein Wölkchen zu sehen. Eine leichte Brise fährt mir durchs Haar und bläst eine Strähne schräg über mein Gesicht. Die Helligkeit, die ich durch meine geschlossenen Augenlider wahrnehme, wird von einem schmalen dunklen Schatten unterbrochen.

Ich lüfte den Wimpernvorhang und atme tief durch. Zwei Sonnen starren mich an und füllen meinen Positive-Energie-Tank. Allein, weil ich das Glück habe, zum richtigen Zeitpunkt meinen Kopf aus der Dachluke zu strecken. Die Sonne schwimmt linkerhand im ewigen Blau, weit rechts von ihr gelegen, auf selber Höhe glänzt ihr Spiegelbild. Die Reflexion im großen, gläsernen Gebäude scheint und strahlt, als möchte sie der echten Sonne Konkurrenz machen.

Ursprung und Ebenbild, Quelle und Nachahmung, Original und Fälschung haben mich noch nie gleichermaßen so fasziniert und beruhigt.

Photocredit: Unsplash

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