Die größte Errungenschaft ist die, die man nicht sieht. Die keinen Unter-die-Nase-reib-Faktor hat. Die sich weder an der Schreibtischgröße, noch an Titeln oder am Kontostand ablesen lässt. Sondern jene, die man – juwelengleich – sorgsam verstaut, weit weg von neugierigen Blicken. Die man hütet aber dennoch großzügig mit Freunden teilt.
Materiell wertlos. Eine ideelle Währung mit eigensinnigem Kurs, launenhaft und emotionsgeladen. Das unterscheidet sie von Juwelen, die doch mit ihrer beständigen Anziehungskraft brillieren.
Die größte Errungenschaft schlägt sich auf einem Konto nieder, das nur wenige kümmert. Das Aufschluss gibt über vorurteilslose Empathiefähigkeit und ersehnte Selbstverwirklichung. Letztere setzt uns vage Ideen in den Kopf und erscheint am Horizont wie eine Fata Morgana – unerreichbar aber unwiderstehlich. Doch allein der Wille zur Verwirklichung der vom Innersten getriebenen Träume ist eine Errungenschaft für sich. Die meisten unterdrücken ihn ja schließlich und können es sich kaum erklären, wieso. Weil Kindheitsträume doch nie wahr werden? Weil es sich einfach nicht lohnt? Weil der monetäre Kontostand einfach konkreter ist? Nur nicht abdriften in die Tiefen, die die Sehnsucht ins Bewusstsein gräbt…
… doch sie gräbt immer weiter, tiefer und verzweifelter, um endlich ernst genommen zu werden. Wer eine neue Chance ergreifen will, wartet nicht. Die Sehnsucht soll uns nicht aushöhlen. Sie soll uns zu neuen Höhen verhelfen, zu Errungenschaften, die die Zwischenmenschlichkeit bereichern: Sprachen lernen, Zuhören üben, Kulturen respektieren und nicht an einer Norm messen – und dabei nie Angst vor Neuem haben.
Veränderung als Standard. Eine Errungenschaft, die einem keiner nehmen kann. Die Chancen erhöhen, endlich das zu finden, was einem die Sehnsucht vage als Erfüllung verspricht. Und sich nicht mit einer Situation abfinden – auch wenn diese Sicherheit verspricht.
Sicherheit ist Illusion. Ungewissheit ist ein Konfettiregen aus Möglichkeiten – und zukünftigen Errungenschaften.
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