Nostalgie-Katharsis

Zu stark hängen geblieben im Moment. In ihn eingehüllt wie in einen schützenden Kokon. Obwohl er keinen Schutz bietet, sondern nur verletzlich macht. Die Nostalgietrunkenheit in ein Delirium verwandelt. Aus dem du nicht einfach aufwachen kannst, das dafür andauert, bleischwer und gleichzeitig verlockend leicht.

Dieser Moment, der nicht verstreifen soll und die nach Nostalgie schmerzende Wunde verursacht, ist zwar vorbei. Aber in einer Ewigkeitsschleife spielt er sich in euphemisierter Detailgenauigkeit im Kopf ab. Du führst dir ständig gedanklich vor Augen, was du zum Zeitpunkt des Erlebens nicht ausgiebig schätztest. Was nun aber ein wertvoller Erinnerungsschatz ist, ein Potpourri aus Orten, Menschen und Gefühlen, die schicksalhaft miteinander verknüpft zu sein scheinen. Ein melancholisch stimmendes, in deinen Gedanken tausend Mal wiederaufgelebtes Souvenir, von dem du zehrst, bis das Jetzt nicht mehr zu leugnen ist.

Bis geistesklare Erkenntnis eintritt, die die Seele zur Resignation zwingt. Bis die idiotische Ernsthaftigkeit, mit der du diese unwiederholbaren Momente abgespeichert hast, kollabiert. Und endlich Tränen kullern, die den Kokon, dieses sture Festhalten an Vergangenem, auflösen.

Tränen, die die Augen freiwaschen von jeglicher Illusion. Und die Nostalgie-Katharsis ist vollbracht.

Photocredit: Unsplash

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