Irre normal

Sie ist so eine Person, die Sushi mit der Gabel isst und Geschirr nur mit Plastikhandschuhen abspült. Ob sie tatsächlich so empfindliche Haut hat, die das blubbernd heiße Wasser nicht verträgt oder ob sie sich vor ihren eigenen Essensresten ekelt – darüber gibt sie keine Auskunft und zieht nur eine merkwürdig spitze Schnute, wenn man sie darauf anspricht. Ihren Geschirrspüler benutzt sie aber trotz wie auch immer gearteter Phobie nicht, findet sie das Abspülen doch so meditativ, dass es eines der ersten Dinge ist, die sie tut, wenn sie von der Arbeit nachhause kommt. Oder frühmorgens aus dem Bett gehüpft ist. Und noch eine Macke hat sie: Sie kauft immer nur das parfümierte Toilettenpapier. Diese letzte Obsession geht so weit, dass sie oft Toilettenpapier von sich zu Hause in Restaurants, Bars und zu Freunden mitnimmt. So als könnte man tatsächlich aus dem Hintern duften. Komische Angewohnheit, merkwürdige Überzeugung. So ist sie nun mal…

Er hat kein Problem damit, wenn es sein muss, auch mal mit den Händen zu essen. Ist sowieso viel einfacher für ihn, Fingerfood steht fast jeden Tag auf dem Speiseplan. Spielereien mit Essstäbchen findet er aber auch ganz cool, eine kleine Herausforderung, da hat man sich dann jeden Bissen verdient. Er liebt seinen Geschirrspüler, in den er einfach alles – egal ob spülmaschinenfest oder nicht – reinpackt. Einfach nur aufs Knöpfchen drücken, dann rattert die überlastete Maschine und man kann sich zurücklehnen, schon echt klasse. Mehr Zeit und Platz für Kreativität, nicht nur für seine Musik, sondern auch, wenn er wieder einmal vergessen hat, Klopapier zu besorgen. Dass es supersoftes, duftendes Toilettenpapier gibt und wie man auf die Idee kommen könnte, es zu kaufen, ist ihm vollkommen schleierhaft. Als könnte man tatsächlich aus dem Hintern duften.

Das sind mal zwei Extreme. Vielleicht. Oder auch nicht? Sie würden auf jeden Fall gut zusammenpassen, sich perfekt ergänzen. Vielleicht treffen sie mal aufeinander? Und lassen sich gegenseitig das Irre an gewissen Verhaltensmustern erkennen? Oder ist das alles gar nicht so unnormal? Letztendlich wurden hier nur drei winzige Bereiche des täglichen Lebens vorgestellt und doch charakterisieren sie eine Person. Und jeder von uns findet sich in irgendeinem Detail wieder… nicht wahr?

Photo Credit: Unsplash

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