Blubbern und Kribbeln

Einfach immer alles toll finden. So funktioniert das in der Welt der Oberflächlichkeiten, die uns in ewig grinsende, apathische Fratzen verwandelt – innerlich willenlos, aber nach außen in unbändiger Champagnerlaune.

Doch nicht einmal das Blubbern und Kribbeln dieses belebenden Elixiers lässt einen aus dem Prestige-Delirium aufwachen und erkennen, dass man sich mit jedem Schluck mehr der Aufrichtigkeit des menschlichen Daseins entleert und damit immer weiter in den gierigen Rachen des etablierten, starren Regelsystems stürzt, blind den anderen Marionetten vertrauend.

Champagner ist das Lebenssäftchen, die filigrane, vornehmerweise halbgefüllte Sektflöte die Eintrittskarte in die Welt des luxuriösen Überflusses, die einen verführerisch umflattert und durch ihre trügerischen Tore lockt.

Einmal eingetreten, für immer gefangen. In jener Welt, die das Ideal des Schönen propagiert, fernab von authentischer Herzlichkeit.

Es gibt sie aber, die Blubber-Rebellen, denen es in den Zehen kribbelt, die was dagegen unternehmen müssen. Jene, die das Scheinsein solcher Existenzen entlarven, ihr Privileg nutzen und ihr Glas rechtzeitig abstellen, um sich das Gesicht zu massieren, sich vom Dauergrinsen zu befreien und die ganze Angelegenheit mit Seele und Verstand zu betrachten.

Das wahre Schöne im Guten erkennen: Dies wird zum Mantra der Champagner-Verweigerer. Sie sehnen sich nach den Menschen, die mit Herz und Augen lachen, ohne dabei eine Grimasse zu schneiden. Menschen, die das Schlechte nennen und das Gute wertschätzen, die die gräßlich schöne harte Welt als Szenario ihres Lebens wählen und keinen elitären Kreis. Die sich an diversen flüssigen Gaumenfreuden erquicken und das Blubbern und Kribbeln in ausgelassener Tanzfreude zum Ausdruck bringen.

Diese Menschen wollen nicht lauthals Aufmerksamkeit erhaschen. Sie schweigen und genießen den ansteckenden Tanz. Der so stark in den Füßen kribbelt. Und der jegliche oberflächliche Attitüde wegblubbert. Dieser fratzenfreie Tanz ist einfach immer toll.

Photo Credit: Unsplash

Hinterlasse einen Kommentar