Reisen ist leben mit Leichtigkeit. Es zählt nur, was der Moment bringt, was der Zufall bereithält, was das Jetzt sich gerade für einen ausdenkt. Die Leichtigkeit des Unwissens, was einen erwartet. Man sitzt im Auto, Zug oder Flugzeug mit dem ahnenden Lächeln im Gesicht, der kindlich euphorischen Erwartungshaltung im Herzen und dem wohltuend zähen Gefühl des Ankommenwollens im Bauch, um endlich in das nach Sonnencreme und Salzwasser duftende Erlebnis zu hüpfen.
Reisen ist laufen ohne Ziel. Es macht nur Spaß, was nicht vorgesehen ist und das starre, einstudierte Verhaltensmuster aus Gewohnheiten und Planungswahn mit einer Welle Spontaneität überspült. Wie weiße, schaumige Gischt, die in alle Richtungen spritzt und sich dabei vergnügt, soll reisen einem vor Neugier sprühendes Vagabundieren lehren. Einfach loslaufen, durch Straßen und Gassen, über Plätze und Strände, hinein in eine fremde und doch so vertraute Welt.
Reisen ist träumen ohne aufwachen zu müssen. Denn man befindet sich in diesem seit Monaten herbeigesehnten Zeitfenster, das Magie verspricht, ohne unwirklich zu sein. Eine Auszeit, in der man sich selbst besser ausstehen kann. Die leicht würzige Brise in der Luft, die man sich nicht ausdenken, sondern nur erleben kann, lässt einen wie im Traume wandeln. Nur ist dieser Traum nicht flüchtig und flau. Er spricht einem Mut zu und flüstert: „mehr ist möglich, trau dich nur“.
Reisen ist herumliegen mit Zuversicht. Es kommt darauf an, im Nichtstun eine Beschäftigung zu finden. Um zu sich selbst zu finden. Zu den innersten Überzeugungen und Werten. Zu schlummernden Leidenschaften und Talenten. Zu drängenden Fragen und weniger wichtigen Oberflächlichkeiten. Denn reisen lehrt, Prioritäten zu setzen. Einfach daliegen, lachen und lümmeln. Und klar nachdenken – das kommt im Alltag oft zu kurz. Da grübelt man immer nur.
Also los: Ohne Ziel, mit Leichtigkeit einfach drauf losträumen – und im Herumliegen und -spazieren die Essenz des Seins erkennen. Das ist reisen.
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