Wettergemälde

Unterm Dachfenster. Der Rahmen aus hellem, gemustertem Holz. Und ich stehe einfach nur darunter, den Kopf in den Nacken gelegt. Und schaue hinauf, hinaus in den wechselhaften Himmel.

So eigensinnig und flatterhaft war das Wetter schon lange nicht mehr. Ein überraschendes Potpourri aus Regen, Wind und Sonne. Die schräge, rechteckige Scheibe ist in diesem Moment mein großer Bildschirm. Da bewegt sich ständig was, von alleine, da draußen in der Natur. Im Himmel. Vor meinen Augen. Ich fange an zu blinzeln, als die Sonne immer stärker ihre Machtposition demonstriert. Und durch das Fenster scheint. Und das Dachgeschoss in Windeseile aufheizt.

Der Treibhauseffekt erhitzt die Stimmung, mit der ich normalerweise hier oben den unausrottbaren Belanglosigkeiten des Alltags nachgehe: Arbeiten im Homeoffice, Yoga und Pilates am Abend. Oder einfach nur aus dem Fenster starren, wie jetzt. Letztere ist wohl die wohltuendste Beschäftigung. Dann stehe ich einfach nur da und lasse die Wolken über meinem Kopf vorüber rauschen.

Ein Planetarium mit Aussicht auf die Unendlichkeit des Himmelblaus, das mich zu verschlingen scheint.

Ein Observatorium, das mich mit diesem hübschen Ausschnitt des Draußen verwöhnt: Häuserreihen, großer Baum, Himmel, Sonne, Wolken.

Ein Aussichtspunkt mit Gemäldecharakter, in einem Rahmen fixiert und dabei stets von Naturveränderungen dynamisiert.

Die Wolken erhaschen meine vollste Aufmerksamkeit, als sie sich so auftürmen. Als sie zu unberechenbaren Diven werden, sich aufplustern und in unschuldiges Weiß bis dramatisches Grau kleiden. Als sie da so schnell vorbeihuschen und mich die Lust überkommt, auf ihrer so kuschelig wirkenden Oberfläche durch die Lüfte zu düsen. Mich auf einen Haufen Watte zu betten. Die Erde unter mir als Miniaturwelt zu bestaunen.

Ja, dieses Gedankengefasel, diese Fantasiefragmente überfallen mich manchmal. Unvorhersehbar. So wundervoll. Träumereien, die doch so konkret sind. Alles ist ja echt: der Himmel, die Wolken, die Sonne. Doch erst wenn man diese selbstverständlichen Dinge mit Neugier betrachtet, entfalten sie ihren wahren Zauber.

Photo Credit: privat

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