Die Aprilwärme, die sich auf der Terrasse an diesem Sonntagnachmittag staut, bringt meine Geschmacksnerven zum Sieden.
Sie schmelzen, verlassen ihr gewohntes Raster, fügen sich in verwirrende Neukonstellationen.
Der süße rote Apfel schmeckt wie das holzige Herz einer überreifen Ananas.
Die rhythmische, elektrisierende Tonabfolge, mit der ich meine Ohren betäube, verwandelt den Überraschungsmoment in einen Vitamintrip, an den ich in einem Monat bereits mit Nostalgie zurückdenken werde.
Als der bodenständige Apfel seine exotische Seite ausleben wollte.
Oder als die Ananas endlich mal unscheinbarer sein wollte.
Um wen geht es hier eigentlich?
Will mich der Apfel an der Nase herumführen oder hat die Ananas vor, mich auszutricksen?
Ist die exotische Frucht ein hinterlistiger Eindringling?
Nur in meinen Gedanken?
Ausdruck meines Fernwehs?
Sie geistert sogar in meinen Träumen herum, wo sich mein Freund einen Pfannkuchen mit Tortellini und Ananas zubereitet und dabei unentwegt und fröhlich „Abacaxi!“ – portugiesisch für Ananas – herumbrüllt.
Der Pfannkuchen ist die deutsche Basis des Gerichts.
Die Tortellini spiegeln unseren aktuellen Essensplan wider und die Italianität, die unsere Beziehung animiert. Sie stehen im übertragenen Sinn für den Spaß, die Lebensfreude in unserem Leben in der Quarantäne-Basis.
Und die Ananas?
In Wahrheit nur begehrenswert, weil ihr portugiesischer Name so süß klingt?
Sie ist einfach die dritte Komponente unserer portugiesisch-italienisch-deutschen Liebe.
Die niemals auf einen dieser Teile verzichten könnte.
Auch wenn die wohlgemeinte aber doch zweifelhaft praktizierte Idee eines vereinten Europas scheitern wird. Oder muss…
Wir sind eine der offensichtlichen Personifizierungen dieser Idee, die Geschmackverirrungen zulassen muss.
Egal, ob Ananas oder Abacaxi.
Oder beides in Form eines Apfels.
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