Wackelnde Symmetrie auf zwei Beinen
sich fortbewegend schwarz, blond, pink,
perfekt komponiert
in einer schier stereotypisierten Blondinen-Farbpalette.
Massig grazil bewegt sie sich durch die hellschwarze Nacht.
Outfit schick schlicht in Schwarz, das mit knallpinken Stiefeletten laufen lernt und über den Bürgersteig stöckelt.
Pink – die Handtasche links
pink – der Einkaufsbeutel rechts
zum Gewichtsausgleich,
zur Erhaltung der Farbharmonie,
Gewichte, die das lange Haar zum gleichmäßigen Über-den-Rücken-Schlängeln anstacheln.
Die Straßenlaternen setzen das abendliche Farbklecks-Spektakel in Bewegtbild – live und in Dreieinigkeit – in Szene.
Sie genießt das Scheinwerferlicht, ihr Komplize im alltäglichen Versuch,
Harmonie zu verlebendigen,
das Alltagsgrau zu verwirren,
Passanten die Augen von ihren Smartphones zu lösen,
an Ampeln das Privileg zu haben,
bei Pink zu passieren.
Wartet sie darauf, dass die unterschwellige Auffälligkeit ihres Farbkonzepts
ansteckend wirkt?
Oder soll es für immer ihr eigener kleiner Feierabend-Erfolg bleiben – das harmonisch stöckelnde Wackeln im Trinitätsgewand,
vom Bahnhof, vorbei am Bürgeramt, zwei Kneipen und einen Dönerladen passierend, über zwei Zebrastreifen und eine Ampel bis hin zur Kirche,
wo ihr Auto steht.
Wo sich die farbliche Dreifaltigkeit bricht.
Wo auch sie dem grauen Alltag gegenüber machtlos zu sein scheint.
Ihr Auto ist dunkelblau.
Kein Pink.
Kein Schwarz.
Blonde Haare sind ihm nach all den Jahren mit Frauchen auch nicht gewachsen.
Das Farbspektakel löst sich auf.
Es schmilzt zu einer sich dem Fahrersitz anpassenden Form.
Die Farbkleckse am Ende der Arme werden zu vulgären, unförmigen pinken Haufen auf der Rücksitzbank.
Motor an, ab nach Hause.
Aber morgen wieder.
So wie jeden Tag.
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