Aprilwetter macht sonnendurstig

Die Haare vom Wind zerzaust, die Nasenspitze kalt von der feucht-kühlen Brise, die Augen zusammengekniffen, um dem stechenden Weiß-Grau des heute so farblosen Himmels standzuhalten.

Und auf einmal bimmelt es fröhlich. Die helle Eingangsglocke des Blumengeschäfts kündigt meine Blütenkauflust an. Der Mann mit Bart, Schutzvisier und grünem Wassersprühbehälter schreckt kaum merkbar auf als würde er keine Kunden erwarten. Ich schaue mich um, ohne nach etwas zu suchen. Und finde doch so viel, was ich seit Langem vermisst hatte.

Eine Farbenpracht, die mich an die bis in kleinste Detail gepflegten Gärten österreichischer Schlossparks erinnert. Eine Blütenfülle, die ich nur von süditalienischen Oleandern kenne. Ein Sättigungsgrad des Blattgrüns, den ich sonst nur in der bayerischen Hügelgegend finde.

Wo Grün nicht einfach Grün ist, sondern sich in unterschiedlichsten Varietäten dekliniert. Wo sich ganze Landschaften in überraschenden Grünschattierungen zeichnen und das von tausend täglichen Eindrücken geplagte Auge beruhigen. Wo des Herzens Naivität freier Lauf gelassen wird, um eine große Portion Hoffnung zu schöpfen.

Der Mann mit Bart schaut mich an. Ich sehe ihn zwar nicht, spüre aber seinen Blick. Ja, ich bin hilflos in Gedanken versunken. Die üppige Blumenpracht nährt Fernweh. Und lässt Erinnerungen in mir brodeln. Vor allem, als ich dieses quietschgelbe Flammende Käthchen entdecke und sofort an heiße, sonnenerfüllte Tage auf dieser traumhaften griechischen Insel denken muss.

Als mir der Wind das Haar zerzauste, aber viel sanfter als heute und mit einer Prise Salz. Als ich eine kühle Nasenspitze hatte, weil ich beim Planschen im Meer jegliches Zeitgefühl verliere. Als ich meine Augen wegen der strahlenden Sonne zusammenkneifen musste, um gen Horizont blicken zu können. Ins Ungewisse, Kommende, Verheißungsvolle, das nahende Gedankenwolken ankündigt.

Ich kaufe mir dieses Gefühl mit den aufgefrischten Erinnerungen zurück, indem ich dem Mann mit Bart Geld gebe und das Flammende Käthchen nachhause trage. Mein Triumph über das Aprilwetter. Mein Sonnendurst gestillt. Meine Wohnung von Farbenpracht und Erinnerungsschätzen erleuchtet.

Photo Credit: Unsplash

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