Langhalsig, majestätisch und unverschämt arrogant lässt sie einen fast neidisch werden.
Dabei ist sie doch jene, die grazil und ostentativ ihre feingliedrigen Blüten in schreiendem Gelb zur Schau stellt.
So als würde sie es spüren, dass sie das Resultat einer ungeplanten Laune der Natur ist, streckt sie der sorgfältig gepflanzten Pflänzchenschar, aus der sie herausragt, ihre breite, stolze und reich beblätterte Brust zur Demonstration der Rechtmäßigkeit ihrer Existenz entgegen.
Zu sehr scheint sich der feine, endlose und gelb bespickte Blütenhals nicht beeindrucken zu lassen vom Überlegenheitsgefühl der brav nach Plan wachsenden Pflanzen.
Denn egal ob gewollt oder durch Zufall entstanden: Es kommt darauf an, mit welcher Lebenslust und Schaffenskraft das Abenteuer, das mit den ersten sprießenden Samen beginnt, ausgekostet wird.
Immer nur Regeln und Erwartungen befolgen und gerecht werden?
Oder aus dem starren, exakt vermessenen Ordnungsschema ausbrechen, neue Spielregeln kreieren, das Schöpfen und Schaffen zum Lebensinhalt erklären und das Nachahmen und Imitieren vernachlässigen.
Sich in der Ruhe und vermeintlichen Sicherheit einer allseits akzeptierten Weltordnung ausruhen, bei der präzise Planung und devote Pflichterfüllung das Maß aller Dinge vorgeben?
Oder Mut beweisen, sich in die Herausforderung stürzen, um das Andersartige in sich selbst, das als fruchtbarer Nährboden kreativer und authentischer Ich-Entfaltung eine reizende Verführung darstellt, wahrnehmen und ihm freigeistige Verantwortung übertragen?
Erfolg misst sich nur am Grad der Verinnerlichung einer ungezwungenen Balance zwischen einer erfüllenden, selbstverwirklichenden Aufgabe und der die Sinne anregende und zugleich entspannende Kontemplation des Ergebnisses des aus freien Stücken Vollbrachten.
So hat es sich die grazile, gelbe Blume ohne offizielle Daseinsberechtigung zur Aufgabe gemacht, die durch Zufall zugeteilte Lebenskraft dazu zu nutzen, um im Eiltempo in den Himmel zu schnellen, kronenartig fünf Gabelungen auszuarbeiten, sich mit strahlenden Blüten zu schmücken und eine erhabene Attitüde anzunehmen, mit der sie zeitlose Eleganz verkörpert.
Und nun ist sie in der Kontemplationsphase angelangt, blickt auf die anderen Pflänzchen hinunter, überzeugt aber nicht spöttisch.
Sondern auffordernd, zum Kampf gegen rigide Nonsense-Konventionen.
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