Von Orientierungslosigkeit komponiert. Von Ratlosigkeit orchestriert. Von kraftraubender Unsicherheit bis an ihre Grenzen ausgereizt. Klingt diese Melodie noch nach Hoffnung?
Sie peitscht uns unablässig und pietätlos um die Ohren, als lästiger Ohrwurm, der sich jeglichen Geborgenheitscharakter entledigt hat.
Die Geborgenheit hat sich nämlich über Wochen zu einem zähen Gefährten aufgebauscht, der nun unschuldig blickend vor einem steht und einem diese feste Umarmung aufdrängt, die einen so verrückt werden lässt.
Dieses Gefühl der Verrücktheit verstärkt das immer unangenehmer werdende Klirren der Quarantäne-Symphonie, die uns 24 Stunden täglich um den Kopf schwirrt.
Schlappengeschlürfe auf dem Laminatboden, Moka-Gegurgel, wenn die schwarze Brühe aus dem Schornstein sprudelt, Topfgeschepper, wenn der Magen knurrt.
Wie hört sich gleich nochmal Stöckelschuhgeklapper an?
Und wie die Kaffeemaschine, die die zum kreativen Arbeiten anregende Plörre ausspuckt?
Wie geht’s wohl dem Kantinenkoch, der sonst mit den Töpfen jongliert?
Das einsame Mausgeklicke im Homeoffice scheint nachzuhallen, erschrocken reagiert das Schlafzimmer auf dieses ungewöhnliche Geräusch.
Das Geplapper aus dem Fernseher wird immer lauter.
Jenes am Telefon mit Freunden auch.
Um mich herum die Melodie meiner Gedanken, piano oder andante, hin und wieder ein allegro.
Letzteres passiert, wenn du dazukommst, mich mit einer deiner vorhersehbaren Attacken von hinten aufschrecken lässt, meine leierhaft laienhafte Sonate aus Gedankentrubel und sinnierendem Vegetieren verstimmst und ihr mehr Lebhaftigkeit einhauchst.
Durch einen Kuss, der die Schreckaktion entschuldigt, durch ein Gespräch über die Belanglosigkeiten einer Umbruchszeit.
Wir dirigieren uns gegenseitig unsere Partituren, die unsere bemitleidenswert inhaltslose Quarantäne-Symphonie zu einem existenzbejaenden Lebenslamento anschwellen lassen.
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