Ich sehe das Unkraut wuchern und muss automatisch an jenes abscheuliche, auffordernde Verb „jäten“ denken.
Kein anderes Unwort, nur dieses krautige, hat das Schicksal so stark getroffen und wurde dazu verbannt, eine Liaison mit diesem gähnenden Tunwort einzugehen.
Zumindest fällt mir kein anderes Wort ein, das ein Jäten fordert.
Das Unkraut in den steinernen, quadratischen Trögen, die die Fläche des Außenparadieses eingrenzen, wächst, gedeiht und grünt mit größerem Eifer als es die absichtlich gepflanzten Pflänzchen zu tun scheinen.
Selbst dort, wo man keinen einzigen Wassertropfen aus der Gießkanne fallen lässt.
So prominent und überbordend das Unkraut den anderen Pflänzchen Konkurrenz macht, so frech und herausfordernd grinst es mich an.
Und schreit einem mit seiner furchtbar fruchtbaren Unverschämtheit ins Gesicht.
„Jäte mich! Jäte uns! Fang doch endlich an zu jäten!“
Als wüsste die widerspenstige Schar ganz genau, dass man dieses Wort, dem sie sich zwar unterwerfen, nun aber zu ihrer Verteidigung zu benutzen wissen, hasst.
Der aufsteigende Hass lässt einem die Aufgewecktheit und den bedingungslosen Lebenswillen der ungewollten Begegnung erkennen.
Immer mehr schätzt man diese jegliche Existenz bejaende Ästhetik in den krautigen Ansammlungen, die einen durch ihre Vielfältigkeit und Schläue überredet, ihre Lebensmanifestation zu unterstützen.
Man lässt seinem Hass freien Lauf, bis er sich weit genug von einem entfernt hat. Mit ihm das hassauslösende, Vernichtung fordernde und existenzbedrohende Wort.
Die Sonne beleuchtet die quadratischen Pflanzenbühnen, lässt sie vor Wonne raunen, nach einiger Zeit aber vor Durst stöhnen.
Und man rennt zur Gießkanne und verteilt das transparente Lebenselixier – an alles, was durstig aus der Erde guckt.
Krautige Pflanzen und pflänzliches Kraut.
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